Mein Seelenfreund Friedel

Es gibt Dinge im Leben, die man nicht erklären kann und auch nicht muss.

Es gab nur einige wenige Menschen die in dir lesen konnten, danke dafür, das du mir vertrautest. Ja unsere Freundschaft währte über vierzig Jahre. Wenn da auch immer wieder Pausen dazwischen waren, aber wenn es galt warst du zur Stelle, oder auch Ich. Du warst so sensibel, das du spürtest, wenn sich mal wieder eine Beziehung bei mir in der Auflösungsphase war. Dann kamst du mit deinem Moped um die Ecke gefahren, um mir halt zu geben, nö verstanden hatte ich das damals noch nicht, warum das so wahr.

Ich erinnere mich noch gerne an unser erstes Zusammentreffen, es war wohl gegen Mitternacht wo unsere Seelen sich begegneten. Oh ja, du wirktest angeschlagen auf mich und hattest leichte Schlagseite. Ich brachte dich nachhause und du begannst um weit nach Mitternacht Rührei zumachen, voller Stolz erklärtest du mir das das ganze mit einem Schuss Selterswasser ganz sämig werden würde und es wahr so. Deine Mutter wurde wach und äugte mal durch die Tür, aber das war in Ordnung für sie, das da zwei Männer in der Küche tätig waren.

Friedel erzählte mir das er in Darmstadt geboren wurde, nahe des Bahnhofs in einer Bahnsiedlung die für Bahnbedienstete gebaut wurde.

 

Friedel kam am 1.1 1936 auf die Welt er hatte noch zwei Geschwister seinen jüngeren Bruder Günter und seine Schwester Helga.

Im Krieg, als die Städte in Deutschland von den Alliierten in Schutt und Asche gelegt wurden, Kinder wurden zu ihrem eigenen Schutz in den vorderen Odenwald verbracht.

Nach dem verlorenen Krieg zogen sie von Darmstadt, in dem nur einige wenige Häuser nicht zerbombt wurden,in die Provinz nach Traisa und dann später nach Roßdorf.

Wo sie sich gegen den Willen der Bewohner ein paar Zimmer teilen mussten. Es waren harte Zeiten die da gelebt werden wollten. Flüchtlinge drängten aus den Ostgebieten in das Ursprungsland Deutschland und verunsicherten die Bewohner kleiner Orte.

Hier trafen sie auf langjährig gewachsene Ortsstrukturen. Man heiratete meistens untereinander und es war nicht selten das ganze Orte einer Religion angehörten. Nun kamen dies sogenannten Fremden, nichts außer mit dem was sie auf dem Körper tragen konnten und brachten ihre Angst mit in das Ort. In den Augen der Ortsbewohner waren es Habenichtse und armselige Bittsteller. Und nun musste man sich mit denen, die dabei waren sich selbst neu zu erfinden und zu finden, eine Wohnung zuteilen. Manch einer und es waren sicher nicht wenige, wünschten sich die alte Zeit und auch die Diktatur zurück. Der Mensch war im Umbruch, er musste wohl oder übel seine alten Muster verlassen und so etwas war noch nie einfach.

Friedel war ein kräftiger Junge und er begann mit dem Fußball spielen, dem Sport der Jungens dieser Zeit. Er war ein fairer und kompromissloser Spieler, der sich als Verteidiger einen guten Namen verschaffte, jeder sportliche Gegner hätte ihn wohl sehr gerne in seiner Mannschaft gesehen.

Er erzählte mir von einer Fußball- Reise als Jugendlicher, die ihn zusammen mit Olaf nach Norwegen führte, ja da dran erinnerte er sich gerne, es muss für ihn die schönste Zeit seines Lebens gewesen sein.

Friedel war ein guter Schüler und er hatte gute Noten, die ihm ermöglichten den Beruf des Drehers erlernen zu können ,die Firma hieß damals so wie ich mich erinnere MODAG und sie bauten auch unter anderem Schiffsmotoren. Seine nächste Station war die Firma Röhm wo im Dreischichtbetrieb Plexiglasplatten und Rohre hergestellt wurden.

 

 

Der Schichtbetrieb war nichts für Friedels Magen und er suchte auf anraten seines Hausarztes ein neues Betätigungsfeld.

Die Arbeit im Freien, das war es was er wollte und die seiner eingeengten Seele gut tat.

Er wurde Eisenbieger auf dem Bau und er arbeitete sich bis zum Polier hoch. Er bekam Statikpläne von den Bauingenieuren die er dann umsetzte.

Da war er endlich anerkannt und wurde nicht übersehen, er war wer. Auf der Suche nach sich und seinem Leben, war er sein ganzes Leben. Er suchte ihm Außen und nur im Außen, alles andere wäre sicher Schwäche gewesen und Schwach wollt er er nicht erscheinen, das war das Männerprofil damals. Ein Mann hatte stark zu sein, auf Teufel komm raus, Gefühle bedeuteten Schwach zu sein, und so kurz nach dem Krieg konnte man sich nur starke Menschen leisten.

Eine Zeit von der immer gerne erzählte war,als er für eine Frankfurter Baufirma arbeitete, die weltweite Bauprojekte tätigte, so auch in der Wüste von Riad.

Dort bauten sie Hotels und Wohnanlagen. Stolz erzählte er von seinen türkischen Mitarbeitern, die unter seiner Anleitung Eisen verlegten und bogen. Sie waren Freunde geworden und er wurde von ihnen auch in die Türkei eingeladen, besucht hat er sie nie.

Gerne erzählter auch von seinen Ausflügen in die Wüste und über seine Beziehung zu einem Falken. Auf einem Besuch bei Friedel legte er Sandrosen aus der Wüste auf den Tisch. Er zeigte mir ein Bild, wo er zusammen mit einem Falken ,seinem Falken abgebildet war.

Friedel war sich für nichts zu schade er hatte helfende Hände, für die die er mochte, er half mir zusammen mit seinen Freunden, bei Erweiterungsbauten an meinem Haus. Ich erinnere mich noch gerne an die zeit wo wir dann Pfeile warfen im Garten, so nannte man das Dart spielen damals.

Mit Tieren konnte Friedel besser, als mit Menschen, es waren dies seine echten Freunde. Ich denke da an seinen Kater Scheckel, warum er ihn Scheckel nannte weis ich nicht.

Zu seinen Glanzzeiten hatte er auch Stallhasen und Gänse, dies durften sich frei in seinem Garten bewegen.

In seiner Gartenhütte wurden so einige Feste gefeiert, Friedel war ein guter Koch und seine handverlesenen Freunde kamen gerne.

Friedel bekam immer mehr Aussetzer die er nicht mehr zu steuern wusste, es wurde einsam um Ihn. Man könnte sagen seine Freunde die ihn mochten, konnten ihn nicht mehr aushalten.

Es gelang ihn nicht mehr seine Wohnung sauber zuhalten und zu guter Letzt gab es noch einen Brand in seinem Haus. Seine Katze Scheckel 2 weckte ihn und er konnte sein Leben retten.

Das Haus erstrahlte nach dem Brand in neuem Glanz.

Neue Bewohner bezogen als Mieter das Haus, es schien alles in geordneten Bahnen zu verlaufen.

Er wurde versorgt, seine Wäsche wurde gewaschen und er wurde mit verköstigt.

Bedingt durch einen Schlaganfall, war Friedels Kurzzeitgedächniss gestört,alles alte war noch in ihm vernetzt und abrufbar und dies war eine Gnade für Ihn.Das Leben von Ihm wurde dadurch einfacher.

Bei einem meiner letzten besuche bei Ihm wurde ich auf das Übelste von den Menschen die ihn pflegten beschimpft und ich beschloss Ihn nicht mehr zu besuchen.

Hm, so entschied ich mich damals gegen meinen Bauch.

Friedel war dann öfters im Krankenhaus, was ich aber immer erst später erfuhr.

Von Friedels gehen wurde ich nicht unterrichtet, man erzählte es mir auf der Straße.

Auf Friedels Beerdigung war ich dann, das war ich Ihm schuldig, er wurde 74 Jahre alt.

 

Machs gut du mein Freund, du bist uns nur vorausgegangen

 

Ps. Friedel war zeitlebens ein Anhänger Vom Fußballverein HSV.

Und ich schaute mir im Fernsehen ein Bundesligaspiel an.

Es roch auf einmal ganz zart nach dem Obstler den er doch so gerne trank, der Geruch wurde immer deutlicher und deutlicher, unverkennbar es war Friedel Seele die diesen Weg

wählte um mir hallo zu sagen.

Einige Jahre später erschien er mir im Traum, wo ich doch auf das heftigst erschrak und mit den Worten erwachte:

Mach doch mal einer das Licht an.

 

Ich lies mir den Traum von einer Traumdeuterin deuten, sie sagte mir, das ich kein schlechtes Gewissen haben müsst, da ich dachte das ich meinen Seelengefährten damals im Stich ließ.